Linke Politik in Görlitz


Mirko Schultze mit knapper Mehrheit als Ortsvorsitzender der LINKEN in Görlitz bestätigt
März 6, 2011, 6:53 pm
Einsortiert unter: Görlitz

Nur 30 von 54 anwesenden Mitgliedern der LINKEN bestätigten Mirko Schultze in seinem Amt als Vorsitzender des Ortsverbandes Görlitz, sein Gegenkandidat, Jörg Borrmann, Industriearchäologe, erhielt 19 Stimmen. Für die Kasse ist nun Margit Bätz, Industriekauffrau und Mitglied der Stadtratsfraktion der LINKEN verantwortlich, die Geschäftsführung wurde Herbert Olbrich, 76, Rentner und langjähriges Mitglied der Partei, übertragen. Als jugendpolitischer Sprecher senkt Kevin Greiner, Schüler, den Altersdurchschnitt des Ortsvorstandes ganz erheblich

Es war ein „Aufstand“ der Jungen Wilden, die die Gesamtmitgliederversammlung des Ortsverbandes der LINKEN Görlitz am 5.3. im Gewerbecenter am Klinikum zu einem kontroversen und interessanten Ereignis machte. Opponenten sind bei internen Wahlveranstaltungen der Partei nicht gerade üblich.

Das von den Gegenkandidaten vorgestellte Neuerungs-Konzept umfasste eine strukturierte Organisation und detaillierte Aufgabenverteilung innerhalb des geschäftsführenden Ortsvorstandes, die deren Arbeit erleichtern und effektiver machen sollte. Zudem sollten alle Stellen mit fachqualifizierten, kompetenten Kandidaten besetzt werden. Neu war auch das Durschnittsalter: Jörg Borrmann ist gerade einmal 26 Jahre alt, das Alter seiner Unterstützer lag zwischen 17 und 43. Fast alle Kandidaten verfügen über einen akademischen Abschluss oder studieren, was einen der Genossen zur scherzhaften Bemerkung veranlasste, hier handele es sich wohl um einen „Aufstand der Intellektuellen!“

Der gelernte Baufacharbeiter Schultze konnte wenig mit Argumenten, stark jedoch mit persönlichen Angriffen auf die Kontrahenten bei den anwesenden Genossen punkten.

Unterstützt wurde er vom Vorsitzenden der Stadtratsfrakion Görlitz, Thorsten Ahrens, der seine langjährige Erfahrung als kontroverser politischer Redner im Stadtrat nutzte, um die Opponenten in denkbar schlechtem Licht zu präsentieren. Gewohnt forsch unterbrach er die Reden der Gegenkandidaten mit humorvollen Kommentaren, schuf aber auch emotionale Momente, in denen er seiner Enttäuschung über die Herausforderer Ausdruck verlieh.

Schultze wies in seiner Rede auf die Wichtigkeit der Geschäftsstelle der LINKEN hin, die nur im Zusammenhang mit dem Kreisvorstand – Schultze ist Kreisvorsitzender – und seiner Tätigkeit als Wahlkreismitarbeiter Dr. Ilja Seiferts, MdB zu halten sei. Er stellte im Zusammenhang mit seinen beiden Mitbewerbern, Danielle Höfler, Journalistin, und Jens Bekersch, Kaufmann, die Vertrauensfrage. „Wenn einer der beiden gewählt wird, trete ich zurück!“ so Schultze in höchster Erregung. Er unterstellte beiden Mangel an Kompromissbereitschaft und Fluchtverhalten.

Dass es Gegenkandidaten bei einer Wahl gibt, ist doch ein ganz normaler demokratischer Vorgang!“ sagte der so gescholtene Jens Bekersch später. Er äußerte Unverständnis über die heftige Reaktion seines Opponenten.

Ich bin entsetzt über den Verlauf dieser Veranstaltung!“ sagte ein älteres Mitglied auf die Frage nach seinen Eindrücken von der Wahlversammlung. Ein Anderes meinte, es sei sehr schade, dass Menschen, die sich für eine Partei engagierten, am Ende mit so viel Häme und Destruktivität konfrontiert würden. Gerade die für eine so wichtige Wahlveranstaltung sehr niedrige Teilnehmerzahl und das hohe Durschnittsalter zeigen einige der Probleme auf, mit denen sich DIE LINKE im Ortsverband Görlitz herausgefordert sieht, ebenso wie die Tatsache, dass das Vorhandensein von Gegenkandidaten bei einigen Genossen offenbar als Majestätsbeleidigung angesehen wird. Viele äußerten sich besorgt über die Zukunft der Partei angesichts des hohen Alters einiger Mitglieder im geschäftsführenden Ortsvorstandes, oder dass Neumitglieder nach einer solchen „Schlammschlacht“ von weiterem Engagement abgeschreckt werden könnten. Andere sahen es philosophisch: „Die Zeit war wohl noch nicht reif für einen Wechsel! Die meisten wollen doch alles haben wie bisher!“ zog eines der ältesten Mitglieder Bilanz, um gleichzeitig seiner Hoffnung Ausdruck zu verleihen, das Engagement der „Jungen Wilden“ möge weiter anhalten.


6 Kommentare bis jetzt
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ich sehe es genauso , ich habe jahre lang für diese partei mein letztes hemd gegeben , was jetzt durch solch ein verhalten von idioten . nicht mehr der fall sein wird , wir brauchen keine diktatur der runden , sondern mal wieder frischen wind !!!!!!!!!! KAMPF DEM MACHT GEHABE UND STELLENWAHNSINN !!!!!

Kommentar von Marco Lehwald

Liebe Danielle,

so unterschiedlich sind die Wahrnehmungen.

Nach meinem Dafürhalten gab es einen wichtigen und richtigen Diskussionsprozess zur zukünftigen Struktur und der entsprechenden personellen Besetzung im Ortsvorstand.

Natürlich gab es dabei auch Kontroversen, nun aber nachdem die Basis klar votiert hat, würde es doch der politische Anstand gebieten, dieses Ergebnis auch zu repektieren.
Was Du hier in deinem Bericht jedoch machst, ist noch retrospektiv mit Schmutz zu werfen. So agieren keine wirklichen Demokraten, sondern schlechte Verlierer.
Im übrigen, warst Du es, Danielle, die eine weitere Mitarbeit im Vorstand abgelehnt hat, nachdem Mirko Schultze als Vorsitzender bestätigt wurde.
Du hast Dich an der Stelle aus der Verantwortung gestohlen, die Partei war dir da offenbar ziemlich egal.

Einen lieben Gruß und immer schön mit dem selben Maß messen.

PS:
Es bitte dich, die Webadresse dieses Blog entweder zu ändern oder explizit darauf hinzuweisen, daß es sich hierbei NICHT um die Position der Görlitzer Linksfraktiom im Stadtrat handelt
Das ist sicher auch im Rahmen vor Ehrlchkeit und Klarheit kein übergroßer Wunsch, oder?

Kommentar von thorsten ahrens

Ein Blick ins Impressum hätte genügt, um festzustellen, dass es sich hier um einen Blog über die Stadtratsfraktion handelt. Aber für diesen fehlte wohl in der Aufregung die Zeit.

Kommentar von RORE Görlitz

Hallo Genossen!
Bin ein Genosse aus Gera es ist schön wenn man für die Partei alles oder vieles gibt(letztes Hemd) aber man sollte auch die Jugend nicht vergessen und Verantwortung geben sie müssen die Zukunft gestalten und wir als die Älteren der Partei sollten da nur eine Hilfestellung geben. Warum sind bei Euch so wenig der Jungen im Vorstand oder Funktionen? Wir haben bei uns den Wechsel schon vor einigen Jahren gemacht Jena, Saale-Holzland-Kreis, Gera haben wir alles Genossen als Vorsitzende die aus der Jugend gekommen sind zur Wende noch in den Windeln oder Kindergarden. Und auch in unseren Vorständen ist die Jugend voll Aktiv.
Es ist die Jugend bei uns gewesen die eine noch Bessere Zusammenarbeit mit den anderen Parteien gerate wie SPD und Bündnis90/Grüne vorangetrieben haben. Da ja die Aufgabe auch ist den Bürgern mehr Macht und Mitbestimmung zu geben macht es sich Erforderlich Neue Wege zu gehen. Und da sind Junge Genossinnen und Genossen in Verantwortungsvollen Positionen sehr wichtig. Es sind Gedanken von einer Ecke der Partei wo man schon weiter ist.
Wünsche Euch viel Erfolg!
Achim Staack

Kommentar von a-s-Gera@t-online.de

liebe leute, ich habe gerade auf danielles und anderen seiten die berichterstattung von danielle zur GMV gelesen. daruafhin hatt ich einen kommentar mit meiner sicht der dinge dargelgt. dieser wurde leider umgehend gelöscht. soviel zur meinungspluralität und dem ungang einzelner damit.
ich habe daraufhin an danielle folgendes geschrieben und denke es ist wichtig, daß auch du dies so kennst.

text:
hm, hatte gerade auf danielles blog meine wahrnehmung zur veranstaltung geschrieben. ist aber jetzt schon wieder gelöscht. da hast du eine interessante vorstellung von demokratie und insbesondere von meinungsfreiheit, liebe danielle.

fakt is…t, das sich andere als du und deine personalliste in einer wahl durchgesetzt haben. du witterst da nun verschwörung und verderben. ich nenne das eine transparente wahl nach offener diskussion.
damit umzugehen hat jeder dann mehrere möglichkeiten. man kann eine niederlage analysieren, fehler ausmachen und ggf. daran arbeiten.
man kann aber auch – und das ist sicher einfacher, einfach mit schmutz nach anderen werfen und hoffen es bliebe etwas hängen.

ich bedaure deine art des umgangs damit, insbesondere deshalb, da du dich nun in die spur begiebst um – in völliger ignoranz der realität – deine halbwahrheiten unter hilfe der zensur unter die menschen zu bringen.

das ist beschämend und bedauerlich.

thorsten ahrens

Kommentar von thorsten ahrens

Interessante Reaktion des betroffenen Politikers auf die Berichterstattung, der offensichtlich Meinungsfreiheit für sich allein beansprucht. Ich kann hier die Empfehlung der Reflektion der am Samstag stattgefundenen Ereignisse nur zurückgeben.

Kommentar von RORE Görlitz




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